Integral: Anwendung II - Plädoyer für vegetarische Ernährung

Veröffentlicht am 17. Juni 2026 um 11:52

​Der Schrei vor dem Schlachthof
​Mein Herz ist erschüttert vom Schrei,
mein Blick erhascht die Angst in den Augen.
Mutterkühe mit ihren Kälbern rennen irre
auf dem Gelände – sie stoßen ihre letzten Laute aus:
​letzte Signale, die ungehört verhallen
am tauben Ohr einer abgestumpften Welt.

Der Todesgeruch bricht den Instinkt auf –

Flucht vor der sinnlosen Vernichtung.

Leben inmitten von Leben, das leben will.


Im Geist kann ich sie umarmen und trösten.

​Der nächste Tag ist still –
keine Furcht – kein Brüllen.
Der Schmerz in meinem Herzen bleibt

Lothar Feichtinger 2026 

 

Meine Gedanken:
Damals, vor ca. 40 Jahren, traf ich als junger Mensch eine Entscheidung und ernährte mich fortan vegetarisch. Ich verzichtete auf den Konsum von Fleisch. 
In der industriellen Herstellung von Fleisch - und Tierprodukten wird die Gewalt eines auf Gewinnmaximierung orientiertes Wirtschaftssystem besonders deutlich. Das Tier als Wesenheit - die Würde seiner Gefühle und Instinkte - erfährt brutalste Gewalt. 

Heute leb ich mit meiner Frau Susanne in Thiersee und wir ernähren uns bewusster und sammeln Kräuter auf den Wiesen und im Wald.

Ich las im Buch von Sri Yukteswar "Die Heilige Wissenschaft", dass wir Menschen mit unserem Gebiss und Verdauungstrakt den frucht- und getreidefressenden Tieren am ähnlichsten sind.  Um Fleisch genießbar zu machen, benötigt man Gewürze und Salz. Es findet hier ein Täuschung der Sinne statt.

Angebot und Nachfrage:
Das Aufbrechen der Markt-Illusion

Immer wieder wird uns das neoliberale Dogma gepredigt, dass allein der Markt über „Angebot und Nachfrage“ alles regle. Doch diese vermeintliche Gesetzmäßigkeit ist in der industrialisierten Fleischwirtschaft eine kalkulierte Täuschung. Große Agrarkonzerne und Fast-Food-Ketten steuern die Nachfrage künstlich über massive Subventionen, irreführende Werbung und verfälschte Preise, die die realen ökologischen und ethischen Kosten (die Entropie) einfach ausblenden.

Wenn wir die Konzerne in ihre Schranken verweisen wollen, müssen wir die Feedbackschleife umdrehen: Nicht der Apparat diktiert, was auf den Teller kommt, sondern das bewusste Individuum entzieht dem parasitären Kreislauf die ökonomische Grundlage. Jede Entscheidung für eine vegetarische Ernährung bricht ein Stück dieser künstlichen Nachfrage und zwingt das System zur Anpassung.

 

Freier Wille und Verzicht:
Das evolutionäre Erwachen

Der Übergang zu einer vegetarischen, bewussten Lebensweise ist kein schmerzhafter „Verzicht“, wie es uns das konsumorientierte Irrbild der Freiheit oft einreden will. Es ist im Gegenteil ein Akt des echten freien Willens und ein zutiefst evolutionärer Schritt nach vorn. Wenn wir aufhören, uns von den künstlichen Reizen einer profitgetriebenen Industrie täuschen zu lassen, erlangen wir die Autonomie über unseren eigenen Stoffwechsel und unser Bewusstsein zurück.

Diese Transformation erfordert ein radikales Umdenken und Aufklärung von Kindheit an: Wir müssen die Edukation in unseren Schulen und Familien revolutionieren. Kinder sollten nicht mit steril verpackten Supermarkt-Produkten aufwachsen, sondern von klein auf die lebendige Verbindung zur Natur, das Wissen über den Wuchs von Pflanzen und den Respekt vor der Kreatur erlernen. Wahre Aufklärung zeigt, dass das Mitgefühl mit der Biosphäre keine Schwäche ist, sondern die höchste Stufe menschlicher Intelligenz.

 

Ein Anfang ist gemacht:
Die Aussaat der Inseln

Die gigantische Maschinerie der Fleischindustrie und des globalen Kapitals mag erdrückend wirken. Doch die systemische Wende beginnt nie im Brüsseler Apparat – sie beginnt im Kleinen, an der Basis, in der konkreten Lebenswelt.

Ein Anfang ist gemacht. Jedes Mal, wenn wir uns bewusst ernähren, lokale und pflanzliche Alternativen wählen, die Natur als Mitwelt begreifen oder das ehrliche Gespräch über diese Zusammenhänge suchen, säen wir eine neue, integralsystemische Insel aus. Diese Inseln mögen anfangs isoliert sein, doch sie tragen den Code der Zukunft in sich. Sie wachsen, vernetzen sich unaufhaltsam von unten nach oben (Bottom-Up) und werden das alte, starre System überwachsen.

Der Keim für den fundamentalen Paradigmenwechsel ist gelegt – direkt vor unserer Haustür.