Wald - Seelenruhe - Lichtungen
Das Gehen als Rhythmus des Denkens
In den lichten Wäldern rund um Thiersee verliert das Laute seine Macht, und das Leise beginnt zu sprechen. Hier wird das Gehen zu einem eigenen, tiefen Rhythmus – einem Gleichmaß, in dem der Atem und die Gedanken wieder zueinanderfinden.
Zwischen moosberandeten Pfaden, dem steten Wachsen der Bäume und dem stillen Verweilen eines Schneckenhauses auf der Rinde offenbart sich uns die Seelenruhe. Es ist die Rückkehr zu einer Genügsamkeit, die nicht verarmt, sondern den Geist unerschöpflich beschenkt.
Seelenruhe
Waldduftverführt
Fichtenharzhitze
Summende Insekten tanzen
von Blüte zu Blüte
Spechtklopfenecho
Stilles Einhorchen
in den Wald
Sinneseindrücke
erlöschender Atmen
Ruhe kehrt ein
willkommener Gast
Lichtung
aus dem Dickicht
brombeerrankendornig
Schatten gleiten über das Gesicht.
Fleckenlicht huscht über die Arme
Moderiger Geruch
Stechmückenumschwirrt
Bei Schritt und im nächsten Tritt
erfasst vom Sonnenlichtfächer
Blütenleuchten dem Schmetterlingstanz
warme Luft des sommerschwülen Tags
Herbstluftkühle
in der Morgenfrische
nebelgleitet ein Reiher
Steine im Bach dunsten
Nesthäkchenkreischen
Rehe recken den Kopf
Sommer meine Freude
Staunen vergeht
Lichtwesenschweben
waldsüßverliebt
im glühenden abendrot
ein sog
zu den waldhangschatten
Bienen
im sommernachtsrausch
Auf meinem Felsen
Säulenhallen im Atem
Stillwinde
Adlerschwingenrauschen
Welt und Dasein
Ewigkeitsversinken
irgendwo
an Bächen
wasserrauschenumfangen
Felsen Wolken Sonne
selbstversunken
stilletauchen
Das Glück finden: Höhlenstein
Vorbei an alten Zeiten, hinunter den steinigen Feldweg, vorbei am Bauernhof. Nach wenigen Schritten verzaubert dieser Weg mit dem Summen von Bienen, die die Morgensonne mit ihrer Lebensfreude begrüßen. Holunderäste wuchern durch alte Maschinen und unten auf dem Weg erwartet das dunkle Grün des Waldes und die Lungen füllen sich mit Lebensatem und Waldduft.
Tiefer in die Lebenslust der Natur eingetaucht, wird jeder Schritt ein Wachwerden für die Schönheit. Das Vögelsingen, die Pflanzenkraft, Wasserrinnsale und feuchte Steinoberflächen. Auf dem Gitter der Baumwurzel rutscht man im Takt des Waldes den Wurzeltanz. Die Achsamkeit wächst und man nimmt die Zeichen der Langsamheit in sein Gemüt auf und erfreut sich an den Schnecken, die ihre Bahnen durch den Wald ziehen. Pflanzen greifen wurzelnd in die Felsblöcke. Moosflanken erzählen vom Lebensquell Wasser. Lichtdurchströmtes Blätterwerk, Sonnenlichtstreifen und Grün in allen Tönen säumen den Weg. Eine Bank steht einsam vor dem Frühmorgennebel und lädt zum Schauen des ruhigen Wolkenspektakel in farbigen Graustufen, wo schon vorsichtig das zarte Himmelblau schimmert, ein. Der Weg führt in hellgrüne Fächer aus jungen Buchenblättern zur Lichtung und nur noch wenige Schritte und der Himmel wird weit und in der grünen Aue liegt Höhlenstein.