Die Arithmetik des Hochmuts: Wenn 18 Prozent sich zum „Volk“ erklären
„Aus der Ferne meiner neuen Wahlheimat Tirol blicke ich auf das politische Beben in Baden-Württemberg – und höre ein Echo, das mathematisch nicht aufgeht. Wenn Alice Weidel am Wahlabend verkündet, ‚Das Volk hat gewählt‘, meint sie damit eine stolze, aber dennoch deutliche Minderheit von 18,8 Prozent. Es ist die rhetorische Kaperung eines Kollektivbegriffs: Wer eine Teilmenge zum Ganzen erklärt, löscht die 81,2 Prozent der Gegenstimmen sprachlich einfach aus. Als ehemaliger Stuttgarter frage ich mich: Warum lassen wir zu, dass die Arithmetik der Demokratie durch die Prosa des Populismus ersetzt wird?“
In den ersten, geführten Interviews versäumt es die Moderatorin, geistesgegenwärtig Paroli zu bieten. Es geht hier um Begrifflichkeiten, wie Bürger, Wahlberechtigte und Volk. Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, dass es eine klare Verteilung der politischen Ansichten bei den Wählern gibt. Man muss hier den populistischen, verfälschenden Blendungsversuchen durch die Pseudo-Elite mit ihrem wahnhaften Bild von Gemeinschaft in unserer Demokratie widersprechen und nicht einknicken. Die Bürger, also auch verfemte Minderheiten, Gläubige aller Religionen, in den kleinen Einheiten wie Familien, dem beruflichen Umfeld und Vereinen müssen Aufmerksamkeit üben und allergisch bei sprachlicher und kultureller Aneignung durch diese menschenverachtenden, politisierten Ideologien reagieren. Ein deutliches NEIN zur medialen Verzerrung und Aneignung.
Aufklärung und Bildung – politische Bildung kann anhand der Zahlen durchaus anschaulich vermittelt werden und so eine Bewusstseinsbildung für die nächsten Generation der Wahlberechtigten geschaffen werden.
Abschließend möchte ich an die vierte Kraft in der Demokratie appellieren: Seid aufmerksam, haltet mit Fakten und Hintergrundrecherche dagegen. Zieht Ihnen die Maske vom Gesicht, damit auch die weniger kritischen Menschen eine klare Meinung und politischen Willen haben können. Parteien, die bei dieser Wahl enttäuscht vor die Kameras getreten sind, sollten sich das Wort “ent-täuscht" wörtlich nehmen: sich nicht mehr täuschen lassen. Sind ihre Themen noch mehrheitsfähig? Demokratie funktioniert über Mehrheiten und Erziehung zu politischem Willen.